Auf meiner Tour durchs Baselbiet zu sozialen und innovativen Organisationen habe ich das CSEM (Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique) in Muttenz besucht. Dieses Schweizer Zentrum für Innovation und Technologietransfer mit den Schwerpunkten Mikro- und Nanotechnologie, Mikroelektronik, Systems Engineering und Kommunikationstechnologien ist an fünf Standorten in der Schweiz tätig. Es wird von Bund und mehreren Kantonen unterstützt, darunter auch Baselland.

Das CSEM bildet eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Während die Grundlagenforschung an den Hochschulen stattfindet, braucht es viel Entwicklungsarbeit, bis ein Produkt markttauglich ist. Genau das ist das Tätigkeitsfeld der CSEM.

Das CSEM ist sehr zurückhaltend mit der Kommunikation seiner Erfolge. Denn oft stecken noch Betriebsgeheimnisse der beteiligten Firmen dahinter. Einige Produkte wurden uns trotzdem genannt. Ein sehr bekanntes Produkt ist die Logitech-Maus TrackMan aus den 90er-Jahren. Da steckt einiges Know-how von CSEM drin. Bei den Kameras im iPhone8 sind auch Elemente der CSEM verbaut. Heute sind zum Beispiel die Hochsicherheitsmerkmale für Banknoten und Pässe, die in 40 Ländern ihren Einsatz finden, am CSEM entwickelt worden. Auch an verschiedene Mittel gegen die Produktepiraterie ist das Know-how aus dem CSEM eingeflossen und sogar beim Markenschutz für pharmazeutische Produkte.

Im medizinischen Bereich kommt eine andere Erfindung des CSEM immer häufiger zum Einsatz: Normalerweise drucken Drucker Farben auf Papier, CSEM kann elektrische Leiter und Sensoren drucken. Wenn diese Sensoren sogar auf Folien und mit elastischer Tinte gedruckt werden, dann ergeben sich plötzlich ganz neue Einsatzgebiete, z. B. als günstige Methode für die pH-Messung in Einwegbehältern der Pharmaindustrie.

Das CSEM ist wichtig für die KMUs in der Schweiz. Die meisten dieser Firmen können nicht sämtliche Entwicklungen inhouse erfüllen, darum ist der Weg über die CSEM für sie ein idealer Zugang zu viel Know-how. Es ist deshalb umso bedauerlicher, dass der Landrat auf Antrag der Regierungsrats für die Jahre 2019 bis 2023 die Beiträge ans CSEM reduziert hat. Diese Reduktion sorgt dafür, dass sich das CSEM verkleinern musste und somit weniger KMU Zugang zur Innovation erhalten. Zugunsten des kurzfristigen Sparens wird die Innovationskraft reduziert und die Entwicklung der KMU behindert, was sich mittelfristig nicht rechnen wird. Ein sehr kurzsichtiger Entscheid, der mit der nächsten Tranche für die Finanzierung unbedingt korrigiert werden muss.