Letzte Woche bin ich auf meine Tour durchs Baselbiet zu innovativen und sozialen Institutionen und Unternehmen gestartet. Mein erstes Ziel war die ADEV, die Energiegenossenschaft aus Liestal, die sich schweizweit durch besonders innovative Projekte bekannt gemacht hat. Sei es der Windpark in Saint Brais, der als erster „Bürger-Windpark“ ausschliesslich im Besitz von Privatpersonen steht oder die sorgfältige Sanierung von Kleinwasserkraftwerken, es geht immer um eine möglichst ökologische Energieproduktion und -versorgung und auch um soziale Nachhaltigkeit.

Deshalb habe ich auf meiner Tour bei der ADEV einen Halt eingelegt, und das Leuchtturmprojekt Erlenmatt Ost zusammen mit einigen BegleiterInnen besucht. Wir wurden über die energetischen Besonderheiten von ADEV-Geschäftsführer Andreas Appenzeller informiert und über die wohnungspolitischen Aspekte von Urs Buomberger von der Stiftung Habitat.

Auf der Führung durch die Gebäude und bei der Besichtigung einer Wohnung konnten wir uns davon überzeugen, dass mit der angewandten Architektur die Flächenoptimierung sehr weit entwickelt ist. Gänge, die keine eigentliche Wohnnutzung bringen, wurden z.B. auf ein Minimum reduziert. So konnten die Wohnflächen reduziert werden, was direkt beim Energieverbrauch erkennbar wird.

Bezüglich Mobilität wurde konsequent auf die Förderung des Veloverkehrs gesetzt: Grosszügige Veloabstellanlagen in der Tiefgarage und Kurzzeitveloabstellplätze bei den Gebäuden sorgen dafür, dass die Velos sicher und geordnet abgestellt werden. Die Anzahl Autoabstellplätze ist so tief, dass diese Wohnbauten als „autofrei“ bezeichnet werden dürfen (in der „Stadterle“ gibt es z.B. für 100 BewohnerInnen vier Parkplätze). Keine eigenen Autoparkplätze muss aber nicht ein Verzicht aufs Autofahren bedeuten: Mit den beiden Elektrofahrzeugen stehen allen BewohnerInnen sogar gratis zwei Elektrofahrzeuge zur Verfügung.

Durch Solarstrom von den Gebäudedächern und die Grundwassernutzung werden die zahlreichen Neubauten mit Wärme und Elektrizität versorgt. Ein ausgeklügeltes System von Wärmespeichern und Batterien hilft, dass die Verbrauchsspitzen gebrochen werden können. So stehen z.B. allen BewohnerInnen zwei Elektrofahrzeuge zur Verfügung, deren Batterien aber in der Spitzenbelastung auch Energie an die Wohnbauten abgeben können.

Die Gebäudehülle ist optimal isoliert und mit einer Komfortlüftung kann sichergestellt werden, dass keine Wärme unnötigerweise verloren geht. Sogar eine Rückführung der Wärme aus dem Dusch-Abwasser wird getestet.

Bei der Erstellung eines so grossen, neuen Quartiers ist die Überführung in eine belebte Nachbarschaft eine Herausforderung. Die Stiftung Habitat als Grundeigentümerin und Entwicklerin hatte viel Wert auf ein möglichst gutes Zusammenleben in den Neubauten gelegt. Grosse, gemeinsame Eingänge oder auch gemeinsame Waschküchen, wo man in Kontakt zu den Nachbarn kommt. Einige der Gebäude haben auch die Pflicht, einen bestimmten Anteil der Fläche für soziale Projekte zu reservieren.

Es wurde auf der Führung sehr klar, dass bei der ADEV viel Know-how und viel Freude am Experiment vorhanden ist. In Kooperation mit der Entwicklerin Habitat haben sich zwei Firmen gefunden, die in dieser Hinsicht sehr gut harmonieren – im Sozialen und im ökologischen Bereich.